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Wir gestehen: Wir essen regelmäßig Rindfleisch.
Ja richtig, wir gehören zu den Mutigen, die so etwas gewagtes tun. Obwohl wir am Leben
hängen und ungeachtet der Tatsache, daß wir zu keinem Zeitpunkt ernsthaft geglaubt haben
das Desaster "Übertragbare Gehirnkrankheit" würde sich an der deutschen Grenze
plötzlich in Luft auflösen.
Natürlich bedroht die menschliche
Vaiante der Bovinen Spongiformen Enzephalitis (BSE) mit all ihren angsteinflößenden
Erscheinungsformen zumindest den Teil der Bevölkerung, der sich nicht komplett
vegetarisch ernährt und naturgemäß hat auch jeder Angst davor, in geistiger Umnachtung
zu sterben. Aber wie groß ist die Gefahr denn nun wirklich?
Die Erscheinungsformen
Nachdem alle Medien, gemäß ihren
Intentionen mehr oder minder seriös, über Hintergründe, Fakten und Wege aus der Krise
berichtet haben, sollte der Konsument nun bestens informiert sein. Es ist bekannt, daß
erste Erscheinungsformen dieser Krankheiten bereits im frühen 18. Jahrhundert bei Schafen
und Ziegen in England beobachtet wurden. Amerikanische Zuchtnerze und verschiedene
Hirscharten zeigten Mitte des vorigen Jahrhunderts vergleichbare Symptome der Krankheit.
Auch bei Haus- und Großkatzen in europäischen Zoos existiert eine Abart davon.
Die Diagnose ist schwierig, weil sich die Symptome -
speziell im Anfangsstadium - nur schwer typisíeren lassen. Kleine Änderungen im
Verhalten, leichte Bewegungsstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind mögliche
erste Hinweise auf die Gehirnkrankheit. Im Endstadium verursacht die schwammartige
Auflösung der befallenen Gehirnzellen starke Krämpfe und ausgeprägte
Koordinationsstörungen.
Die möglichen Ursachen
Aufgrund der auffallenden Übereinstimmung
der Erscheinungsform bei Mensch und Tier geht man derzeit davon aus, das die
Krankheit auch beim Menschen vorkommt. Die beiden Wissenschaftler Creutzfeld und Jakob
beschrieben 1920/21 drei mögliche Ursachen für ihr Auftreten: genetisch bedingt,
iatrogen (durch fehlende medizinische Behandlung, z.B. unsterile Instrumente) sowie das
ursächlich ungeklärte spontane Auftreten. Bei der seit 1996 bekannten nvCJK (neue
Variante) wird vermutet, daß sie durch den Verzehr von BSE-infizierten Produkten
ausgelöst wird. Jährlich erkrankt etwa ein Millionstel der Weltbevölkerung an CJK oder
einer Variante.
Die Erreger sind Prionen - eine Form von Eiweiß -
deren natürliche Formation gestört ist. Der Grund für die Fehlbildung des
Eiweißmoleküls ist noch ungeklärt. Im gesunden Organismus wird die Struktur des Prions
von der Erbsubstanz bestimmt. Durch die Modifikation der biochemischen Eigenschaften
verändert sich das Prion und kann vom Körper nicht mehr abgebaut werden, sondern bindet
sich an Nervenzellen im Gehirn und nötigt ihnen seine Struktur auf. Das führt
schließlich zum Absterben der befallenen Zellen und verursacht die schwammartigen
Löcher.
Dieser Vorgang kann Jahre bis Jahrzehnte dauern.
Nach Ausbruch der Krankheit hat der menschliche Patient nach heutigen Erkenntnissen noch
eine durchschnittliche Lebenserwartung von einem Jahr.
Die möglichen Gefahren
Momentan gehen die Wissenschaftler davon aus,
daß die Krankheit beim Menschen durch Aufnahme BSE-infizierter Produkte ausgelöst wird.
Als Risikomaterial gelten primär Innereien, Rückenmark, Augen und Gehirn. Alle Produkte,
die aus Anteilen dieser Stoffe bestehen oder damit kontaminiert sind, können BSE-Erreger
enthalten.
In keinem der bis jetzt durchgeführten Experimente
wurde der Erreger in Muskelfleisch, wie Steak, Braten oder Kotelett nachgewiesen. Milch
kann nach wie vor bedenkenlos genossen werden, bei Milchprodukten ist man da gar nicht
mehr so sicher. Vielen Joghurts wird beispielsweise Gelatine beigegeben, die aus
Rinderknochen bestehen kann. Hersteller von Gelatineprodukten - wie Gummibärchen -
beeilen sich, zu versichern, daß ihre Erzeugnisse ausnahmslos mit Ingredenzien vom
Schwein produziert werden. Im Zweifelsfall sollte der unsichere Verbraucher die
Zutatenliste sehr genau studieren, denn dort müssen die verwendeten Stoffe exakt
aufgeführt werden. Auch Kosmetika und Arzneimittel sollten auf der Liste für kritische
Überprüfungen stehen.
Die Krankheitserreger sind extrem hitze- und
druckbeständig. Deshalb können sie auch nicht mit haushaltsüblichen
Zubereitungsmethoden, wie das z.B. bei der Bekämpfung von Salmonellen möglich ist,
unschädlich gemacht werden.
Interessantes Detail in der derzeitgen
Diskussion dürfte sein, daß in Hunde- und Katzenfutter bereits seit 1990 kein Rinderhirn
mehr eingearbeitet werden darf, in Wurstprodukten für den menschlichen Verzehr ist dieses
allerdings erst seit Inkrafktreten der Entsorgungspflicht für Risikomaterial beim
Schlachten im Herbst vorigen Jahres (!) gegeben.
Die Reaktionen
Das Totalverbot der Fütterung mit Tiermehl
soll die Ausbreitung der Krankheit stoppen. Das bringt nicht unerhebliche Probleme für
viele landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe mit sich und die Auswirkungen wird letztlich
auch der Verbraucher tragen müssen.
Als adäquates Pändant für das eiweißreiche
Tiermehl kann derzeit eigentlich nur Soja gelten. Da verwundert es nicht, wenn
die Soja-Preise auf dem Weltmarkt plötzlich in die Höhe schnellen. Diese werden sich
nach dem Tiermehl-Verbot und der dadurch notwendig werdenden massiven Verfütterung von
Soja an Schweine und Geflügel wohl noch drastischer entwickeln. Mal ganz abgesehen von
den Diskussionspunkten, die sich bezüglich der Gentechnik um Soja auftun.
In der Schweiz wurde die Verfütterung von Tiermehl
an Wiederkäuer bereits im Jahr 1990 (in Deutschland 1994) verboten. Trotzdem traten dort
bis 1996 vermehrt Fälle von BSE auf und führten zu der Annahme, daß einen vertikale
Übertragung von der Kuh zum Kalb möglich sei. Dieses wurde jedoch nicht bestätigt. Man
geht vielmehr davon aus, daß trotz Verbots weiterhin Tiermehl verfüttert wurde oder die
Infektion durch Kreuzkontamination von Futterrohstoffen, die für Schweine- oder
Geflügelfütterung vorgesehen waren, erfolgte.
Parallel zum Tiermehl-Verbot wurden kürzlich auch in Deutschland sogenannte Schnelltests
eingeführt, die innerhalb von acht Stunden nach Untersuchung der Hirnsubstanz eines toten
Rindes ersten Aufschluß darüber geben können, ob das Tier von BSE befallen war oder
nicht. Leider funktioniert der Test aber erst bei mindestens 30 Monate alten Rindernn und
60% aller geschlachteten Tiere sind jünger. (Aus Frankreich ist ein einziger Fall
bekannt, bei dem ein erst 20 Monate altes Rind auf dieses Weise positiv getestet wurde).
Der Verzehr von Markenfleisch oder Fleisch von Biohöfen gilt als relativ sicher weil hier
nur Futtermittel mit deklarierter Herkunft verwendet werden bzw. komplett auf zugekauftes
Futter verzichtet wird. Garantiert werden kann aber auch hier die BSE-Freiheit nicht.
Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, die
Sicherheitsrisiken für die Konsumenten zu beseitigen. Da die Krankheit nach bisherigen
Erkenntnissen nur horizontal übertragen werden kann, wird durch neue Futterrichtlinien
und die Kontrolle ihrer Einhaltung ein wesentlicher Risikofaktor abgestellt.
Aber auch der Verbraucher ist gefordert, aktiv zu
werden, nachzufragen. Geheimniskrämerei nützt niemandem! Langfristig können nur
Transparenz und Konsequenz in den Maßnahmen zu neuem Vertrauen führen.
Das Risiko sich mit der neuen Variante der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu infizieren ist zweifellos gegeben, gemessen an den Gefahren
des Straßenverkehrs aber vergleichsweise gering. Wir werden jedenfalls auch weiterhin hin
und wieder ein schönes Steak essen.
Guido Gusenburger
Jürgen
Gusenburger
Geschäftsführer
Geschäftsführer
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